Es gibt diese eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird:
Was begleitest du eigentlich lieber – Hochzeiten oder Trauerfeiern?
Und fast jedes Mal sind die Menschen überrascht, wenn ich antworte: Trauerfeiern.
Nein – das bedeutet nicht, dass ich Hochzeiten nicht liebe.
Ich liebe sie sogar sehr.
Ich liebe die Aufregung kurz vor Beginn. Die erwartungsvollen Blicke. Das leise Zittern in den Stimmen, wenn zwei Menschen sich ein Versprechen fürs Leben geben. Ich liebe das Lachen, die Freudentränen und diese besondere Leichtigkeit, die eine Trauung mit sich bringt.
Aber Trauerfeiern berühren mich auf eine andere Art. Vielleicht, weil dort alles auf den Kern reduziert ist.
Wenn ich zu den Angehörigen nach Hause komme, weiß ich nie was mich erwartet, wer mit mir an einem Tisch sitzt und erzählt. Aus einem Leben mit vielen Facetten. Dann geht es nicht um Perfektion, nicht darum, wie etwas wirken soll.
Es geht um einen Menschen.
Darum, wie er war. Was ihn ausgemacht hat. Worüber er gelacht hat. Worüber man heute noch schmunzeln muss. Es geht um die berühmten "Spuren" die er hinterlassen hat. Dabei wird aus einem anfänglich vielleicht schweren Gespräch etwas ganz Besonderes. Es wird gelacht - mitten zwischen Tränen und Erinnerungen. Erinnerungen, die vielleicht schon lange niemand mehr erzählt hat. Enkel erfahren Geschichten aus der Jugend ihrer Großeltern. Geschwister erinnern sich an längst vergessene Momente.
Aus Traurigkeit entsteht Nähe - und ich darf in diesem Moment ein Teil davon sein. Genau das empfinde ich als Geschenk.
Ich darf zuhören. Nachfragen. Erinnerungen sortieren. Worte finden, wenn den Angehörigen die Worte fehlen.
Der Tag der Trauerfeier ist für mich jedes Mal etwas Besonderes.
Aus vielen erzählten Erinnerungen, Geschichten und Begegnungen ist eine Rede entstanden. Ich darf einem gelebten Leben eine Stimme geben – all das aussprechen, was diesen einen Menschen ausgemacht hat.
Ich darf Sprachrohr sein.
Mit meinen Worten entsteht ein Raum für Erinnerungen, für Dankbarkeit, für Tränen und manchmal auch für ein Lächeln. Ich darf dem Abschied einen würdevollen Rahmen geben. Einen Moment des Innehaltens, bevor jeder seinen eigenen Weg der Trauer weitergeht.
In diesen Momenten spüre ich immer wieder, dass Worte tatsächlich etwas bewirken können. Trost schenken, Kraft geben und ein Lächeln zurückbringen, obwohl eben noch Tränen geflossen sind.
"Danke. Das war genau unser Papa."
oder
"Das hätte sie geliebt."
Solche Sätze nach einer Trauerfeier machen mich demütig. Sie erinnern mich daran, wie viel Kraft Worte haben können.
Deshalb ist meine Antwort auf die Frage "Hochzeit oder Trauerfeier" immer gleich - Trauerfeier.
Ich freue mich über jede Hochzeit, die ich begleiten darf und liebe es mit Brautpaaren ihren großen Tag zu planen und Teil davon sein zu dürfen. Es ist ein großes Privileg, wenn zwei Menschen mich bitten, als Rednerin die Zeremonie ihres schönsten Tages zu begleiten.
Aber wenn mich jemand fragt, warum mein Herz ganz besonders für Trauerfeiern schlägt, dann ist die Antwort genau diese:
Weil ich dort immer wieder erleben darf, dass Worte nicht nur Erinnerungen bewahren. Weil ich dort immer wieder erleben darf, wie viel Kraft in Erinnerungen steckt und das Worte dazu beitragen können, dass ein Abschied nicht nur ein Ende ist, sondern auch ein liebevoller Blick auf ein gelebtes Leben.
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